Ehrenamtlich Deutsch unterrichten – warum überhaupt?

Wie kann ich Flüchtlingen helfen?

Es ist toll, wie viele Menschen in ganz Deutschland ihre Hilfsbereitschaft signalisieren und den Flüchtlingen helfen wollen.

Manche Arten der Hilfe liegen auf der Hand, zum Beispiel Sach- oder Geldspenden.

Bei anderen ist das nicht so klar. So brauchen viele Asylbewerber Hilfe bei Behördengängen. Doch auch viele Deutsche sind eingeschüchtert von der Bürokratie und dem Amtsdeutsch auf Formularen, oder kennen sich mit dem Ablauf des Asylverfahrens und dem Asylgesetz nicht so gut aus, und wissen deshalb nicht, ob sie das leisten können.

Ähnlich verhält es sich mit dem Deutschunterricht: Ich habe schon von einigen Leuten gehört, dass sie gerne Deutschunterricht anbieten würden, sich das aber nicht richtig zutrauen.

Wie läuft der Unterricht überhaupt ab? Wie soll ich mich mit den Leuten verständigen? Wo kriege ich die Materialien her? Wie plane ich eine Stunde?

An dieser Stelle möchte ich ansetzen und mit Hilfe von Blogposts und Videos Ehrenamtliche ermutigen, Deutschunterricht an ihren Standorten anzubieten.

Das Ehrenamt wird gebraucht

Einen Anspruch auf Deutschunterricht in Form des Integrationskurses haben nur anerkannte Flüchtlinge. In einigen Bundesländern und Landkreisen werden auch Kurse für Flüchtlinge, die noch im Asylverfahren stecken, angeboten.

Die Mehrheit der Asylbewerber, über deren Antrag noch entschieden werden muss (oder die noch gar keinen Antrag gestellt haben), ist also auf Sprachunterricht durch Ehrenamtliche angewiesen.

(Das betrifft übrigens „nur“ die Erwachsenen – die Kinder fallen ja unter die Schulpflicht und lernen in der Schule Deutsch. Das ist eine andere Baustelle, dieser Blog konzentriert sich auf DaF-Unterricht für erwachsene Flüchtlinge.)

Warum überhaupt Deutsch?

Provokativ gesagt, warum soll überhaupt ein Sprachkurs angeboten werden? Ist das Erlernen der deutschen Sprache nicht nachrangig; sollte man sich nicht zuerst um Unterkunft, Verpflegung und medizinische Versorgung kümmern?

Und was ist mit denjenigen, die aus einem „sicheren Herkunftsland“ kommen und daher höchstwahrscheinlich eh nicht in Deutschland bleiben dürfen? Lohnt es sich überhaupt, ihnen Deutsch beizubringen?

  • Mit Sprachkenntnisse können die Flüchtlinge Erledigungen wie das Einkaufen oder Arztbesuche selbstständig erledigen (Empowerment)
  • Sprachkenntnisse ermöglichen es den Flüchtlingen, mit Einheimischen zu kommunizieren, die Integration voranzutreiben und Vorurteile abzubauen
  • die Arbeit derjenigen, die mit den Flüchtlingen arbeiten (z.B. SozialarbeiterInnen, HeimleiterInnen, MitarbeiterInnen bei Behörden, Ehrenamtliche … ) wird erleichtert, wenn die Flüchtlinge ihre Bedürfnisse, Ängste und Meinungen ausdrücken können, ohne dass ein/e DolmetscherIn hinzugezogen werden muss
  • die Kinder der Flüchtlinge, die die neue Sprache in der Regel schneller erwerben als ihre Eltern, werden in ihrer Dolmetscherrolle entlastet
  • im Falle eines positiven Asylverfahrens benötigen die Flüchtlinge auf jeden Fall Sprachkenntnisse, um Arbeit zu finden oder eine Bildungseinrichtung zu besuchen
    und nicht zuletzt der vermutlich wichtigste Grund:
  • Ein Sprachkurs gibt den Flüchtlingen eine sinnvolle Beschäftigung und Abwechslung. Sie erleben Erfolgserlebnisse, haben Spaß und fühlen sich willkommen.

Ehrenamtliche Sprachkurse werden in der Regel nicht von ausgebildeten DaF-LehrerInnen angeboten, sondern von Ehrenamtlichen, die teils über Lehrerfahrung verfügen (z.B. LehrerInnen anderer Fächer) und teils völlig neu in diesem Gebiet sind. Ich denke, dass auch Laien mit ein wenig Unterstützung den Flüchtlingen einen guten Einstieg in die deutsche Sprache ermöglichen können.

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