Kategorie: Frage & Antwort

Frage & Antwort, Teil 10: Meine Meinung zum Thannhauser Modell

Ich lese gerade, dass du von Deutschkurs für Asylbewerber – Thannhauser Modell abrätst. Mir erschien dies bisher immer als ein Deutschkurs, der von Praktikern für Praktiker erstellt wurde.

Welche Erfahrungen hast du damit gesammelt? In welcher Weise sind die Angebote der Verlage besser als dieses Angebot? Ich freue mich von deinen Erfahrungen zu hören :-)

Antwort:

Hallo Florian,

das Thannhauser Modell gibt es schon seit Frühjahr 2015. Zu diesem Zeitpunkt gab es auf dem Markt keine Unterrichtsmaterialien speziell für Flüchtlinge. Generell ist der Markt für DaF/DaZ-Lehrwerke natürlich sehr groß und es gibt ja auch diverse etablierte Reihen, die seit Jahren in Integrationskursen eingesetzt werden. (Wer sich dafür interessiert, kann sich mal die Liste der vom BAMF für Integrationskurse zugelassene Lehrwerke ansehen.)

Diese Bücher eigenen sich aber nicht unbedingt zu 100% für Flüchtlinge. Das fängt bei den Themen an (z.B. ist es unangenehm, in einer Lektion über die eigene Wohnung zu sprechen, wenn alle TN in einer Turnhalle auf Feldbetten schlafen…) und hört bei der Handreichung für die Lehrkraft auf (studierte DaF-/DaZ-Lehrkraft vs. Ehrenamtlicher ohne pädagogisch-didaktischen Hintergrund).

Ich habe vollsten Respekt vor den Menschen aus Thannhausen, die dieses Workbook entwickelt und zur Verfügung gestellt haben. Allerdings ist nicht jeder ehemalige Realschullehrer gleich auch Experte für DaF/DaZ im Erwachsenenalter… Weiterlesen

Frage & Antwort, Teil 9: Hospitation / erste Erfahrungen sammeln

Hallo Kato, ich absolviere gerade den „DaF-Kurs Methodik und Didaktik“, der vom Goethe-Institut angeboten wird und möchte begleitend dazu erste Erfahrungen sammeln. […]

Ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du mir Tipps geben kannst, wo ich mich sinnvoll einbringen kann. Auch Hinweise zu Möglichkeiten einer Hospitation im Bereich DaF sind sehr willkommen. Ich habe diesbezüglich schon bei einigen Volkshochschulen angefragt, aber dort gibt es keine Kapazitäten. Es ist für mich aber wichtig, die Durchführung eines Kurses praktisch nachzuvollziehen. Viele Grüße, A.

Antwort:

Hallo A.,
in welcher Stadt oder Region wohnst du denn?

Eine Hospitation ist auf jeden Fall eine gute Idee, um einen Einblick ins Unterrichten zu bekommen. Weiterlesen

Frage & Antwort, Teil 8: Vernetzung unter (Laien-)LehrerInnen

Ich habe eine Mail von Silke bekommen, die schon seit Februar ehrenamtlich unterrichtet. Neuerdings betreut sie eine Gruppe von drei jungen Männern, die schnell lernen können und wollen. Hier ein Ausschnitt aus ihrer Mail:

[…]
Wir hatten gestern die erste Stunde, naja, eigentlich waren es zwei, und ich bin mir jetzt gar nicht so sicher wie ich didaktisch weiter mache.
Gibt es irgendwie online ein Portal, wo man sich ein bisschen Hilfe holen kann?
Die Jungs sind sehr motiviert, wir haben vor dreimal die Woche zwei Stunden zu machen. Ihr großer Wunsch war es Hausaufgaben zu bekommen und ich soll das auch kontrollieren, ansonsten wären sie zu faul ;-)
Ich bin halt nunmal keine Lehrerin und bräuchte was womit ich den Unterricht auflockern kann. Oder ein paar Gleichgesinnte, denen es ähnlich geht.
[…]

Weiterlesen

Frage & Antwort, Teil 7: DaF-/DaZ-Lehrer werden

Hallo Kato,

ich unterrichte seit einem halben Jahr ehrenamtlich Asylbewerber in Deutsch. Ich habe dazu schon einige Seminare besucht, würde das aber gerne auch professionell z.B. bei der VHS unterrichten.

Leider erfülle ich die Zugangsvorraussetzungen für das Online-Studium nicht, da ich von Beruf Tierarzt bin und kein Philologie- oder Pädagogik-Studium vorweisen kann. Welche Möglichkeiten bestehen denn für mich, eine entsprechende Qualifikation zu erwerben?

Mit freundlichen Grüßen,  Michael

Antwort:

Hallo Michael,

wow, vom Tierarzt zum Deutschlehrer – das ist ja ein ungewöhnlicher Werdegang!

Du möchtest also „professionell“ Deutsch unterrichten und fragst nach der Qualifikation. Es gibt zwei Varianten: mit oder ohne „BAMF-Zulassung“. Weiterlesen

Frage & Antwort, Teil 6: Motivation erkennen und fördern

 

Hallo Kato,

[…] dem Ratgeber für ehrenamtliche Helfer von Frau Lourdes Ros konnte ich fast Nichts für meine praktische Situationen entnehmen. Ich muss immer wieder völlig von vorne beginnen. Mal kommen 12, dann wieder nur einer. Dann mal drei. […]

Wie startet man quasi ohne jede Kommunikation, wenn zudem keine Motivation erkennbar ist, die deutsche Sprache zu erlernen? Das Lernen zu lehren fällt mir sehr schwer. […]

Beste Grüße und vielen Dank für Ihre Seite,

Jürgen B.

 

Lieber Herr B.,

Sie sprechen ein sehr interessantes und sehr wichtiges Thema an. Motivation ist für den Lernprozess sehr wichtig; und gleichzeitig ist es für Ehrenamtliche sehr frustrierend, sich zu fragen „warum nehmen sie unsere Angebote nicht an? Warum sind sie so demotiviert?“.

Ich möchte Ihnen im Folgenden ein paar Gedankenanstöße aus meiner Erfahrung mitgeben, auch wenn es für Ihre Situation wohl keine einfache „Lösung“ gibt. Weiterlesen

Frage & Antwort, Teil 5: Alphabetisierung und Zweitschrifterwerb

Frage:

Hallo Kato,

eine tolle Seite hast du. Ich möchte Flüchtlinge in einer Notunterkunft in meinem Stadtteil die deutsche Sprache näher bringen. Es handelt sich fast ausschließlich um Leute aus dem arabischen Raum. Bisher gehe ich zweimal in der Woche mit einem Bewohner joggen. Wir verständigen uns eigentlich nur mit Händen und Füßen, da er nur Arabisch und Farsi spricht.  Ihm ein paar deutsche Wörter beizubringen ist nicht das Problem, aber um richtig zu lernen muss das lateinische bekannt sein, oder sehe ich das falsch. Ich habe schon einige Seiten mit deutschen Vokabeln und entsprechenden Bildern vorbereitet. Allerdings ist mir rätselhaft, wie jemand damit etwas anfangen soll, der unser Alphabet nicht kennt.  Weißt du, wie ich am besten vorgehen kann um nicht nur mündlich mit den Leuten zu arbeiten?

Viele Grüße, Thomas

 

Antwort:

Lieber Thomas,

vielen Dank für deine Mail und dein Engagement in deinem Stadtteil!

Du hast Recht, um „richtig“ Deutsch zu lernen, müssen die Neuankömmlinge das lateinische Alphabet ebenfalls erlernen. (Klar, theoretisch kann man eine Sprache ausschließlich mündlich lernen/ nutzen, aber das bringt den Geflüchteten ja herzlich wenig im Alltag, wenn sie zum Beispiel Formulare ausfüllen müssen.)

Menschen das Lesen und Schreiben beizubringen nennt man Alphabetisierung. Weiterlesen

Frage & Antwort, Teil 4: Erste Hilfe für Ehrenamtliche

Frage:

Ich bin momentan in einer Institution als ehrenamtliche Deutsch-“Lehrerin“ für Flüchtlinge aus verschiedensten Ländern tätig. Lehrerin in Anführungsstrichen, da ich keine Ausbildung in dem Sinne genossen habe sondern nur mit meinem als Muttersprachler gelerntem Deutsch versuche, den menschen dort die deutsche Sprache etwas näher zu bringen… Ich bin außerdem ziemlich auf mich allein gestellt. Es gibt kein Lehrwerk, nur zwei unengagierte Lehrer mit denen die Unterrichtsplanung auch nicht wirklich funktioniert, da diese keine wirkliche Organisation haben was die Planung anbelangt. Materialien werden ebenso wenig zur Verfügung gestellt.. Es ist eine ziemlich miserable Lage. Außer dem Kopieren muss alles selbstständig besorgt werden. Meine Frage wäre, wie ich denn genau Unterricht planen sollte, da wie gesagt ich keine Materialien habe und mir nur das Internet sowie lediglich Bücher aus der Bücherei Hilfe leisten können. Gibt es verlässliche Seiten auf die ich zurückgreifen könnte? Ich bin selbst natürlich auch dabei genaueres zu recherchieren, jedoch bin ich dabei auf Ihre Videos gestoßen und dachte mir, dass ein Austausch unter Lehrenden in diesem Bereich nicht schaden könnte.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich frisch mein Abitur beendet habe und außer der Erfahrung in der Schule keine weiteren Kenntnisse mitbringe um professionell diese Tätigkeit ausüben zu können.

Vielen Dank im Voraus. LG

 

Antwort:

Liebe anonyme Leserin,

zunächst einmal: vielen Dank für dein ehrenamtliches Engagement! Hut ab!

Nun zu deiner Schilderung: es klingt, als würdest du dich in deinem „Job“ ziemlich alleine gelassen fühlen und bald die Motivation verlieren. Das ist natürlich blöd, denn gerade wenn Arbeit nicht mit Geld entlohnt wird, sollte sie natürlich Spaß machen und kein schlechtes Gefühl verursachen. Weiterlesen

Frage & Antwort, Teil 3: Wörterbuch

Frage:

Hallo, 
kannst du ein Wörterbuch für Kurdisch empfehlen?
Wir wollen es Schülern zur Verfügung stellen.
Danke.

Antwort:

Hallo S.,

leider kann ich dir kein Wörterbuch für Kurdisch empfehlen, da ich (a) bisher keine kurdischen SchülerInnen hatte und (b) im Anfangsunterricht keine Wörterbücher einsetze.

Beim Unterricht mit Flüchtlingen bzw. generell mit Anfängern sprechen mehrere Gründe gegen Wörterbücher: Weiterlesen

Frage & Antwort, Teil 2: Struktur für eine große Gruppe

Frage:

Hallo, 
ich bin seit kurzem ehrenamtlich in einer Flüchtlingserstunterkunft tätig. Man hat mich gebeten, einen Deutschkurs für Frauen zu machen. Ich bin keine Lehrerin  und es läuft sehr unstrukturiert. Ich habe allerdings auch erst zwei Unterrichtsabende hinter mir. Es waren ungefähr 25-30 Frauen da und ich war völlig überfordert. Gibt es vielleicht Hilfsmittel oder werden evtl. sogar Kurse angeboten, wie man so etwas sinnvoll, so, dass es den Menschen auch etwas bringt, angeht? Viele wollen unbedingt das Alphabet lernen. Ich halte das nicht für sinnvoll, wenn man kein einziges Wort deutsch spricht, bin mir aber natürlich nicht sicher. Ich wollte mit einfachen Dingen, vielleicht Bilder mit den dazugehören Worten aus dem Alltag beginnen und mit kleinen einfachen Sätzen. Gibt es Möglichkeiten, wo und wie man sich besser informieren bzw. vorbereiten kann? 
Viele Grüße 
J.

Antwort:

Liebe J.,

vielen Dank für deine Nachricht und dein Engagement!
Dass du als Anfängerin mit so einer großen Gruppe und ohne Vorbereitung überfordert bist, ist total verständlich!

Als ersten Schritt halte ich es für sinnvoll, die Gruppe aufzuteilen in zwei (oder idealerweise drei) kleinere Gruppen. Vielleicht kannst du noch eine andere Ehrenamtliche mit ins Boot holen für diese Aufgabe? Ansonsten reduzier deine Unterrichtszeit: Lieber zwei Mal 60 Minuten konzentrierter Unterricht in der Kleingruppe als 120 Minuten mit 30 Leuten, wo du eh nicht jeder Teilnehmerin gerecht werden kannst.
Beim Aufteilen kannst du idealerweise schon nach Vorkenntnissen sortieren, damit die Gruppen homogener werden: Weiterlesen

Frage & Antwort, Teil 1: Hacky Sack im Unterricht

In der Reihe Frage & Antwort werden in Zukunft Antworten auf die Fragen veröffentlicht, die mich per Mail oder Kommentar erreichen, und auch für andere LeserInnen interessant sein könnten.

Frage:

Liebe Kato,
welche Art von Spielen machst Du denn mit dem Hacky Sack? 
Ich gebe demnächst einer Gruppe von männlichen Flüchtlingen (aus Afrika)Deutschunterricht, inklusive Alphabetisierung. Ich würde gerne mit Spielen die Sache etwas auflockern - hast Du ein paar Tipps?
Herzlichen Dank,
A.

Antwort:

Liebe A.,
vielen Dank für deine Mail!
Der Hacky Sack (oder ein anderer Ball) eignet sich super, um Strukturen, die man gerade eingeführt hat, zu wiederholen und zu festigen. Weiterlesen