Frage & Antwort, Teil 3: Wörterbuch

Frage:

Hallo, 
kannst du ein Wörterbuch für Kurdisch empfehlen?
Wir wollen es Schülern zur Verfügung stellen.
Danke.

Antwort:

Hallo S.,

leider kann ich dir kein Wörterbuch für Kurdisch empfehlen, da ich (a) bisher keine kurdischen SchülerInnen hatte und (b) im Anfangsunterricht keine Wörterbücher einsetze.

Beim Unterricht mit Flüchtlingen bzw. generell mit Anfängern sprechen mehrere Gründe gegen Wörterbücher:

1. Wörterbücher kosten viel Geld

Gerade in der Flüchtlingsarbeit ist Geld knapp und kann in sinnvollere Materialien investiert werden.

2. Den Umgang mit dem Wörterbuch muss man erst erlernen

Kinder lernen in der Grundschule und in der Sek I explizit, wie man mit einem Wörterbuch umgeht: Wie sind die Wörter sortiert? Was bedeuten die Abkürzungen? Wie finde ich die Grundform dieses Wortes?
Je nach Vorbildung deiner KursteilnehmerInnen kann es sein, dass sie es gar nicht gewohnt sind, ein Wörterbuch zu benutzen. (Muttersprachler einer Sprache mit einem anderen Schriftsystem haben es natürlich noch schwerer!) Das Nachschlagen dauert dann lange und frustriert unter Umständen.

3. Ein Wörterbuch für zehn oder zwanzig KursteilnehmerInnen?

Wenn man einer Gruppe nur ein oder einige wenige Exemplar(e) zur Verfügung stellt, ergibt sich automatisch eine Ungerechtigkeit. Wer darf es im Unterricht benutzen, wer für die Hausaufgaben? Wenn man für jede Person eins anschaffen will, landet man wieder bei Punkt 1.

4. Es gibt andere Strategien, um Wörter zu erklären:

In vielen Fällen lassen sich Begriffe auch wunderbar mit anderen Methoden erklären:
mit Bildern (siehe auch: Bildwörterbücher; alternativ: Google Bildersuche), durch Pantomime oder Schauspiel, durch Hilfe innerhalb der Gruppe (wenn einer es verstanden hat, kann er es den anderen erklären), mit Beispielen.

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass es allen im Kurs mehr bringt, unbekannte Wörter in der Gruppe zu besprechen, als dass jeder mit einem Wörterbuch oder einer Übersetzungs-App vor sich hin arbeitet. Dabei sollte die Lehrkraft die Frage „Was heißt XY?“ nicht reflexartig selbst beantworten, sondern zuerst zurück ins Plenum geben und schauen, ob jemand eine Erklärung oder ein Beispiel parat hat. Möglicherweise wird eine/r die Antwort kennen und in seiner Muttersprache (in diesem Fall Kurdisch) sagen. Falls diese Sprache von allen im Kurs verstanden wird (und man den Eindruck hat, dass diese Person es richtig verstanden hat), kann man das meiner Meinung nach ruhig zulassen. Wenn der Kurs jedoch heterogen ist und einige es verstanden haben und andere nicht, muss man hier nochmal eingreifen und eine Erklärung auf Deutsch nachliefern.

Als Alternative zum klassischen Wörterbuch gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • eigenes Wörterbuch erschaffen (Bildwörterbuch beschriften; Vokabelheft anlegen; von Langenscheidt gibt es neuerdings ein kleines Heft namens Wie heißt das? zu diesem Zweck – kann jedoch noch nicht sagen, ob es gut ist.
  • Online-Wörterbücher (Apps oder Webseiten; alternativ: Google Übersetzer)
  • Glossar (zu manchen Lehrwerken gibt es Glossare, die das für die jeweiligen Lektionen relevante Vokabular zusammenfassen und Übersetzungen in einer Sprache liefern, z.B. besitze ich das Glossar Albanisch für Schritte plus 1+2, das mit 7€ recht günstig ist)
  • ein Deutsch-Deutsches Wörterbuch, z.B. das Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache, macht meiner Meinung nach erst ab A2 Sinn.

Also, wie gesagt, eine Empfehlung für ein Kurdisch-Wörterbuch kann ich dir leider nicht geben, aber ich hoffe, dass diese Tipps dir helfen.
Viele Grüße
Kato

P.S.: Dies ist meine persönliche Meinung zu Wörterbüchern. Ich bin mir sicher, dass es andere DeutschlehrerInnen gibt, die dem widersprechen und Wörterbücher gerne und effektiv in ihren Unterricht einbauen.

In der Reihe Frage & Antwort veröffentliche ich Antworten auf die Fragen, die mich per Mail oder Kommentar erreichen, und auch für andere LeserInnen interessant sein könnten. Wenn du auch eine Frage hast, schreib mir!

1 Kommentare

  1. Es gibt auch Apps für Smartphone/Handy,
    z.B.
    Phrasebook for refugee: Hier hat man Dutzende von Sprachen. Man stellt 2 ein und bekommt eine Liste von über 100 Alltagssätzen, zu Gesundheit, Lebensmitteln, Kleidung etc.
    Zum runterladen sollte einfach ein WLAN vorhanden sein….

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