[Rezension] Komm zu Wort! Hör-Bilder-Buch Deutsch für Seiteneinsteiger (Finken-Verlag)

Vor einigen Wochen hat mir der Finken-Verlag freundlicherweise zwei Bücher aus dem aktuellen DaZ-Programm zur Verfügung gestellt: Das Handbuch DaZ-Vorkurs (zur Rezension) sowie das neue, als Hör-Bilder-Buch bezeichnete Heft Komm zu Wort.

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Hör-Bilder-Buch

Das Besondere an diesem Buch ist die Verknüpfung mit dem TINGHörstift, einem elektronischen Gerät in Stiftform, das in Verbindung mit speziell dafür entwickelten Büchern Teile daraus „vorliest“. Das TING-Symbol zeigt an, wo das Kind den Stift einsetzen kann. Es kann also selbstständig und ohne die Hilfe eines Erwachsenen sowohl die Schreibweise als auch die Aussprache der Wörter und Sätze erkunden – nach seinen eigenen Interessen und in seinem eigenen Tempo.

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Das TING-Symbol im Hör-Bilder-Buch

Zielgruppe

Der Finken-Verlag hat dieses Buch für „Schüler im Grundschulalter, die – meist im laufenden Schuljahr – ohne Deutschkenntnisse ins deutsche Schulsystem „quereinsteigen““ entwickelt. Es soll schnell ein alltagsrelevanter Grundwortschatz aufgebaut werden. In Verbindung mit dem TING-Stift (oder einer vorlesenden Person) muss das Kind noch nicht lesen können.

Themen

  • Schule: Personen in der Schule, Schulmaterialien, Tätigkeiten in der Schule, Gegenstände in der Schule, Schulfächer
  • Das bin ich: Kleidungsstücke, Körper, krank sein, Gefühle
  • Alltag: Familie, (Lieblings-)Essen, Freizeitaktivitäten, Wetter, Tage und Monate, Tagesablauf, Jahreszeiten
  • Stadt: Wohnen, Zimmer, Möbelstücke, Tätigkeiten in der Wohnung, Läden, Fahrzeuge, Berufe
  • Farben und Zahlen bis 20, leichte Rechenaufgaben in den Grundrechenarten, Uhrzeiten, wenige Adjektive

Grammatik

  • Verben im Infinitiv und konjugiert
  • Personalpronomen
  • Präpositionen
  • reflexive Verben
  • ausdrücken, was man gerne mag/isst und was nicht
  • Plural von Substantiven
  • Wetter beschreiben mit „es“

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Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus mehreren, die komplette Doppelseite füllenden Wimmelbildern, die jeweils als Einstieg für das Oberthema dienen. Die nachfolgenden Seiten bzw. Doppelseiten widmen sich dann speziellen Themen, zum Beispiel Mein Körper, Kleidung oder Der Stundenplan.

Wörter werden sowohl isoliert, aber bei Substantiven mit Artikel (z.B. das Heft/ springen), als auch in kurzen Sätzen präsentiert (z.B. Das Heft ist grün/ Das Mädchen springt mit dem Seil). Neben dem Wortschatz werden auch einfache grammatische Strukturen eingeführt, zum Beispiel „Ich esse gern Bananen. Ich esse nicht gern Tomaten.“

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Viel zu entdecken im Wimmelbild

Es gibt zahlreiche farbige Illustrationen im kindgerechten Stil. Das Layout wirkt übersichtlich und aufgeräumt.

Es gibt einige Wiederholungen, die laut Verlagswebseite bewusst eingebaut wurden, um den Lernprozess zu unterstützen. Mich haben sie jedoch eher irritiert, und von den Kindern, mit denen ich das Heft angeschaut habe, wurden sie schnell überblättert.

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Bewusste Wiederholung: Die Lehrerin / Das ist die Lehrerin

Details zum Buch und zum Finken-Verlag

  • Autorinnen: Doris Fischer und Christina Kellner
  • Illustratorin: Marlit Peikert
  • Finken-Bestellnummer: 3080
  • 80 Seiten
  • Preis: 29,90€
  • Ein TING-Stift wird nicht mitgeliefert
  • dazu passend gibt es einen Ordner mit Arbeitsblättern (79,90€)
  • In der zweiten Auflage heißt das Buch „Komm zu Wort 1“ – ist also anscheinend eine Fortsetzung geplant

Der Finken-Verlag ist spezialisiert auf Lernmaterialien für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter. Neben der Sprachförderung werden auch die Themen Deutsch, Mathe, Englisch, Sachunterricht, Methodentraining und mehr abgedeckt.

Persönliche Einschätzung

Da ich normalerweise mit Erwachsenen arbeite, hat es einige Wochen gedauert, bis ich die Gelegenheit hatte, Komm zu Wort! gemeinsam mit Kindern anzuschauen.

Das eine Mädchen ist fünf Jahre alt und besucht den Kindergarten, das andere ist sechs und ist vor ein paar Wochen in die erste Klasse gekommen. Beide leben schon seit rund einem Jahr in Deutschland und kannten deshalb viele der Wörter bereits. Es hat ihnen viel Spaß gemacht, die Wimmelbilder anzuschauen und die ihnen bekannten Gegenstände, Tätigkeiten oder Personen zu benennen. Einen TING-Stift besitze ich leider nicht, so dass ich als „Vorleserin“ einspringen musste, wenn sie ein Wort nicht kannten. Gemäß dem Titel des Buches (Komm zu Wort) bietet es viele Sprechanlässe für die Kinder. Falls sie mal ins Stocken kommen, kann man sehr einfach die Aufmerksamkeit auf bestimmte Dinge lenken („Wer ist das? Was macht er? Welche Farbe hat das?“ usw.) oder einen Selbstbezug herstellen („Und du? Magst du Bananen? Findest du das Kleid schön?“).

Mit dem Schwerpunkt auf Schul- und Alltagsthemen holt es die Kinder mitten im Leben ab. Man konnte gut beobachten, wie viel Spaß die beiden Mädchen dabei hatten, ihr Wissen zu präsentieren (z.B. die Zahlen aufzusagen) und die Namen von Dingen dazuzulernen, die sie schon kennen, aber bisher nicht benennen konnten (z.B. die Schere). Einige Seiten wurden von den beiden Mädels als langweilig befunden und schnell überblättert, vor allem die Seiten mit den Wiederholungen. Es gibt mehrere Doppelseiten, auf denen links und rechts die gleichen Illustrationen abgebildet sind. So werden zum Beispiel auf den Seiten 18 und 19 links die Tätigkeiten im Infinitiv (malen, lesen, schreiben) und rechts in der 1. Person Singular (ich male, ich lese, ich schreibe) präsentiert. Meiner Meinung nach könnte das vom Layout her geschickter angeordnet werden.

Gut finde ich:
  • schöne Illustrationen
  • viele verschiedene Themen werden angeschnitten
  • Wörter werden im Kontext präsentiert
  • bei den Berufen sind zum Teil beide Geschlechter vertreten
  • übersichtliches Layout, große Schrift
  • nicht linear: es muss nicht zwingend in einer bestimmten Reihenfolge gearbeitet werden
Was ich mir noch gewünscht hätte:
  • weniger Wiederholungen bzw. anders angeordnet
  • eventuell stabileres Papier
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Sinnvoller Kontext

Das Hör-Bilder-Buch im ehrenamtlichen Unterricht

Im Gegensatz zum DaZ-Handbuch, das durchaus auch Kopiervorlagen für erwachsene TeilnehmerInnen enthält, ist das Hör-Bilder-Buch Komm zu Wort! eindeutig primär für die Arbeit mit Kindern im Grundschulalter gedacht.

Ich halte es für ein sehr gutes Heft, mit dem Kinder sich alleine oder in Kleingruppen beschäftigen können. Sowohl diejenigen, die schon lesen können, als auch Kinder ohne Lesefertigkeiten können mit dem Buch spielen. Für letztere gibt es die Verknüpfung mit dem TING-Hörstift. Es muss bedacht werden, dass dieser nicht im Lieferumfang vorhanden ist und – falls man ihn anschaffen möchte – etwa 36€ (aktuell auf Amazon) kostet. Wenn man vorhat, intensiver mit dem Buch zu arbeiten, bietet der Verlag über 80 kopierfertige Arbeitsblätter.

Meinen beiden Mädels hat das Buch auf jeden Fall Spaß gemacht – wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätte ich es dort gelassen. :)

Dieses Buch wurde mir kostenlos vom Finken-Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank.

5 Kommentare

  1. Liebe Kato,
    wir benutzen dieses Werk für unsere Flüchtlingskinder (7 und 9 Jahre alt) in der Grundschule.
    Das Besondere daran ist nun gerade der TING-Stift, mit dem du nicht arbeiten konntest: Die Sprachqualtät des „Stiftes“ ist sehr gut , die Lautstärke lässt sich individuell einstellen und sogar mit einem Kopfhörer verbinden, so dass sich das Kind völlig selbstständig damit beschäftigen kann. – Und dann machen natürlich auch die Wiederholungsseiten Sinn:
    Links wird das neue Wort genannt (man tippt mit dem Stift auf das Bild, und der „Stift“ spricht den Begriff), und auf der rechten Seite wird das neue Wort in einem Satz geübt (auch das kann der „Stift“ vorlesen.
    Ohne diesen Stift ist das Buch zwar schön anzuschauen, aber tatsächlich nur die Hälfte wert. Mit dem Stift ist es richtig klasse durchdacht und hilfreich, weil man einen „Vorleser“ hat (es gibt eine männliche und eine weibliche Stimme, die abwechselnd „sprechen“) und die Kinder sich – auch ohne Lesekenntnisse und sogar ohne weitere Person – einen Wortschatz erarbeiten können. Die Kopiervorlagen ergänzen gut, aber auch Buch+ Stift allein sind prima!
    Der TING-Stift ist auch für andere Bücher programmiert, er ist also eigentlich ein Speicherstick in Stiftform und deshalb so teuer (knapp 40€). Man kann ihn per USB-Anschluss immer wieder aufladen, dann hält er ca. 2 Stunden.
    Fazit: Für die eherenamtliche Arbeit eine zwar gute, aber leider (zu?) teure Angelegenheit, für Schulen aber eine prima Unterstützung!
    Liebe Grüße
    Julia

    • Liebe Julia,
      vielen Dank für deine Ergänzung! In Kombination mit dem TING-Stift klingt das wirklich klasse. Schade, dass der Stift so teuer ist und damit für Ehrenamtliche wegfällt, aber es steckt natürlich eine Menge Technik und Entwicklungsaufwand dahinter (bzw. drin :)). Liebe Grüße, Kato

  2. Liebe Kato,
    da ich seit sehr langer Zeit als Grundschullehrerin (35 Jahre) mit Seiteneinsteigern arbeite, habe ich bereits sehr viel Material kennen gelernt und auch selbst hergestellt. Das Buch „Komm zu Wort 1“ ist m. E. nach das Beste, was es zur Zeit auf dem Markt gibt. Wichtig ist vor allem, dass es hervorragend bei Kindern eingesetzt werden kann, die noch nicht alphabetisiert sind. Julia hat bereits die Arbeitsweise mit dem Buch beschrieben. Zwar gibt es von anderen Verlagen eine ähnliche Technik (ein Stift, der vorlesen kann), allerdings nicht gezielt zu den Themen, die für den DaZ/DaF-Unterricht wichtig sind. Ich wünsche mir möglichst bald eine Fortsetzung in einem 2. Buch. Leider ist das Material wirklich noch sehr teuer, wenn man bedenkt, dass den Schulen nur ein geringer Etat zur Verfügung steht.
    Liebe Grüße
    Christel

    • Liebe Christel,
      vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, von deinen Erfahrungen mit „Komm zu Wort“ zu berichten. Soweit ich das mitbekommen habe, war die erste Auflage schnell vergriffen. Bei diesem Erfolg bin ich mir sicher, dass der Finken-Verlag das Konzept weiterführt.
      Viele Grüße, Kato

  3. Hallo,

    es gibt schon 2 oder 3 neue Bücher. Ich glaube das letzte Buch ist auch für ältere konzipiert.

    Bei uns kann man die Bücher in der Bücherei ausleihen samt Stift.

    Also vielleicht dort mal testen …

    Gruß Karsten

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