Schlagwort: Unterrichtsplanung

„Ein guter Start“: Magazin für Ehrenamtliche

Der Klett-Verlag hat speziell für ehrenamtliche SprachlehrerInnen und -begleiterInnen ein eigenes Magazin namens „Ein guter Start“ herausgebracht. Es wurden zunächst 10.000 Exemplare gedruckt und verteilt (u.a. in Weiterbildungsinstitutionen und Ehrenamtlichen-Helferkreisen), allerdings ist das komplette Heft auch als PDF zum kostenlosen Download verfügbar. (Direktlink, 11MB PDF)

Die erste Ausgabe enthält Tipps zur Gestaltung der ersten Unterrichtsstunden, ein FAQ zum Zweitschrifterwerb und Informationen zum neuen Klett-Lehrwerk „Bitte einsteigen!“ (Rezension folgt) und anderen Unterrichtsmaterialien von Klett/Langenscheidt. Weiterlesen

Lehrerverhalten: Keine Angst vor Fehlern!

Ein Lehrer weiß immer alles. Ein Lehrer ist unfehlbar. Ein Lehrer hat die richtige Lösung stets parat.

Das ist ein Irrglaube! Viele Ehrenamtliche haben Angst davor, die Rolle eines Lehrers einzunehmen, weil sie denken, dass sie dann alles wissen müssen – in unserem Fall alles über die deutsche Sprache.

Sie wissen nicht, ob sie jede Frage beantworten können.

Sie denken, dass sie nicht genug über die deutsche Sprache wissen – vor allem über Grammatik!

Sie haben es im Gefühl, ob eine sprachliche Äußerung richtig oder falsch ist, kennen aber nicht die Regel dahinter.

Wer Lust hat, in der Sprachförderung aktiv zu werden, sollte sich von diesen Unsicherheiten jedoch nicht abhalten lassen! Weiterlesen

Frage & Antwort, Teil 8: Vernetzung unter (Laien-)LehrerInnen

Ich habe eine Mail von Silke bekommen, die schon seit Februar ehrenamtlich unterrichtet. Neuerdings betreut sie eine Gruppe von drei jungen Männern, die schnell lernen können und wollen. Hier ein Ausschnitt aus ihrer Mail:

[…]
Wir hatten gestern die erste Stunde, naja, eigentlich waren es zwei, und ich bin mir jetzt gar nicht so sicher wie ich didaktisch weiter mache.
Gibt es irgendwie online ein Portal, wo man sich ein bisschen Hilfe holen kann?
Die Jungs sind sehr motiviert, wir haben vor dreimal die Woche zwei Stunden zu machen. Ihr großer Wunsch war es Hausaufgaben zu bekommen und ich soll das auch kontrollieren, ansonsten wären sie zu faul ;-)
Ich bin halt nunmal keine Lehrerin und bräuchte was womit ich den Unterricht auflockern kann. Oder ein paar Gleichgesinnte, denen es ähnlich geht.
[…]

Weiterlesen

Frage & Antwort, Teil 4: Erste Hilfe für Ehrenamtliche

Frage:

Ich bin momentan in einer Institution als ehrenamtliche Deutsch-“Lehrerin“ für Flüchtlinge aus verschiedensten Ländern tätig. Lehrerin in Anführungsstrichen, da ich keine Ausbildung in dem Sinne genossen habe sondern nur mit meinem als Muttersprachler gelerntem Deutsch versuche, den menschen dort die deutsche Sprache etwas näher zu bringen… Ich bin außerdem ziemlich auf mich allein gestellt. Es gibt kein Lehrwerk, nur zwei unengagierte Lehrer mit denen die Unterrichtsplanung auch nicht wirklich funktioniert, da diese keine wirkliche Organisation haben was die Planung anbelangt. Materialien werden ebenso wenig zur Verfügung gestellt.. Es ist eine ziemlich miserable Lage. Außer dem Kopieren muss alles selbstständig besorgt werden. Meine Frage wäre, wie ich denn genau Unterricht planen sollte, da wie gesagt ich keine Materialien habe und mir nur das Internet sowie lediglich Bücher aus der Bücherei Hilfe leisten können. Gibt es verlässliche Seiten auf die ich zurückgreifen könnte? Ich bin selbst natürlich auch dabei genaueres zu recherchieren, jedoch bin ich dabei auf Ihre Videos gestoßen und dachte mir, dass ein Austausch unter Lehrenden in diesem Bereich nicht schaden könnte.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich frisch mein Abitur beendet habe und außer der Erfahrung in der Schule keine weiteren Kenntnisse mitbringe um professionell diese Tätigkeit ausüben zu können.

Vielen Dank im Voraus. LG

 

Antwort:

Liebe anonyme Leserin,

zunächst einmal: vielen Dank für dein ehrenamtliches Engagement! Hut ab!

Nun zu deiner Schilderung: es klingt, als würdest du dich in deinem „Job“ ziemlich alleine gelassen fühlen und bald die Motivation verlieren. Das ist natürlich blöd, denn gerade wenn Arbeit nicht mit Geld entlohnt wird, sollte sie natürlich Spaß machen und kein schlechtes Gefühl verursachen. Weiterlesen

Hausaufgaben – auch in freiwilligen Deutschkursen?

Nutzen und Effektivität von Hausaufgaben werden immer wieder diskutiert. Ich persönlich muss sagen, dass ich als Kind fast immer meine Hausaufgaben gemacht habe und denke, dass sie einen großen Beitrag zu meinem Lernerfolg geleistet haben. Privat bin also auf jeden Fall ein Fan von Hausaufgaben. Das bedeutet aber nicht, dass ich auch in meiner Rolle als Lehrerin immer dazu neige, Hausaufgaben aufzugeben.

Vor allem bei freiwilligen Deutschkursen ohne Anwesenheitspflicht, Notendruck und Prüfungen stellt sich die Frage: Sollen überhaupt Hausaufgaben aufgegeben werden? Weiterlesen

Frage & Antwort, Teil 2: Struktur für eine große Gruppe

Frage:

Hallo, 
ich bin seit kurzem ehrenamtlich in einer Flüchtlingserstunterkunft tätig. Man hat mich gebeten, einen Deutschkurs für Frauen zu machen. Ich bin keine Lehrerin  und es läuft sehr unstrukturiert. Ich habe allerdings auch erst zwei Unterrichtsabende hinter mir. Es waren ungefähr 25-30 Frauen da und ich war völlig überfordert. Gibt es vielleicht Hilfsmittel oder werden evtl. sogar Kurse angeboten, wie man so etwas sinnvoll, so, dass es den Menschen auch etwas bringt, angeht? Viele wollen unbedingt das Alphabet lernen. Ich halte das nicht für sinnvoll, wenn man kein einziges Wort deutsch spricht, bin mir aber natürlich nicht sicher. Ich wollte mit einfachen Dingen, vielleicht Bilder mit den dazugehören Worten aus dem Alltag beginnen und mit kleinen einfachen Sätzen. Gibt es Möglichkeiten, wo und wie man sich besser informieren bzw. vorbereiten kann? 
Viele Grüße 
J.

Antwort:

Liebe J.,

vielen Dank für deine Nachricht und dein Engagement!
Dass du als Anfängerin mit so einer großen Gruppe und ohne Vorbereitung überfordert bist, ist total verständlich!

Als ersten Schritt halte ich es für sinnvoll, die Gruppe aufzuteilen in zwei (oder idealerweise drei) kleinere Gruppen. Vielleicht kannst du noch eine andere Ehrenamtliche mit ins Boot holen für diese Aufgabe? Ansonsten reduzier deine Unterrichtszeit: Lieber zwei Mal 60 Minuten konzentrierter Unterricht in der Kleingruppe als 120 Minuten mit 30 Leuten, wo du eh nicht jeder Teilnehmerin gerecht werden kannst.
Beim Aufteilen kannst du idealerweise schon nach Vorkenntnissen sortieren, damit die Gruppen homogener werden: Weiterlesen

Sozialformen im (Deutsch-) Unterricht

Der Begriff „Sozialform“ mag zunächst einmal abstrakt klingen; dennoch können wir uns schnell etwas darunter vorstellen, wenn wir an verschiedene Situationen denken: Ein Vortrag, bei der eine Person vor allen anderen spricht. Ein Erste-Hilfe-Kurs, bei der jeder die Reanimation an der Puppe üben muss. Ein Spanisch-Kurs an der Volkshochschule, bei dem die Teilnehmenden sich gegenseitig Wörter abfragen.

Welche Sozialformen gibt es?

Wir haben nun bereits drei Beispiele gesehen. Generell kann man vier verschiedene Sozialformen unterscheiden:

einzelarbeit Einzelarbeit Die KursteilnehmerInnen arbeiten still, alleine und selbstständig.
partnerarbeit Partnerarbeit Die KursteilnehmerInnen arbeiten zu zweit, zum Beispiel mit dem Sitznachbar.
gruppenarbeit Gruppenarbeit Die KursteilnehmerInnen arbeiten in Gruppen zusammen.
frontalunterricht Frontalunterricht/ Plenum Die Lehrperson spricht, die TeilnehmerInnen hören zu. Es gibt Unterarten, zum Beispiel durch das Stellen von Fragen an die Zuhörenden (=mehr Interaktion).

In manchen Büchern werden Frontalunterricht und Plenum (auch Klassengespräch) separat aufgeführt. Unter Frontalunterricht versteht man dabei, dass ausschließlich der Lehrer spricht. Im Plenum/Klassengespräch sind grundsätzlich alle in der Hörer- aber auch Sprecherposition (z.B. Frage, Diskussion). Ich bleibe in diesem Artikel bei der Einteilung in vier Typen.

Vor- und Nachteile der Sozialformen

Welche Sozialform ist am besten? Natürlich kann man da mal wieder keine eindeutige Antwort geben, denn alle Sozialformen haben sowohl Vor- als auch Nachteile: Weiterlesen

Lernungewohnte Flüchtlinge im Deutschkurs

Dass die AsylbewerberInnen alles andere als eine homogene Gruppe sind, ist kein Geheimnis. Unter den Geflüchteten befinden sich nicht nur die vielzitierten Ärzte, Ingenieure und weitere Fachkräfte, sondern auch Menschen, die in ihrem Heimatland nur wenige Jahre oder gar nicht zur Schule gegangen sind und über wenig (institutionelle bzw. formale) Bildung verfügen.

Diese Voraussetzungen haben natürlich einen Einfluss auf den Lernprozess im Deutschkurs. Ich möchte an dieser Stelle das Begriffspaar „lerngewohnt“ und „lernungewohnt“ einführen. Beachtet bitte, dass dies nichts mit der Intelligenz, (Sprach-)Begabung oder Motivation zu tun hat. Nur weil jemand lernungewohnt ist, heißt dies nicht automatisch, dass er oder sie „dumm“ ist oder nicht Deutsch lernen kann! Die Lehrkraft steht jedoch vor der Aufgabe, den Unterricht gemäß den Bedürfnissen der lernungewohnten TeilnehmerInnen zu gestalten.

Ein Überblick über die Unterschiede zwischen lerngewohnten und lernungewohnten LernerInnen:
Lerngewohnte TeilnehmerInnen Lernungewohnte TeilnehmerInnen
Haben in ihrer Heimat für mehrere Jahre die Schule und ggf. eine Hochschule besucht Haben nicht oder nur unregelmäßig die Schule besucht
haben keine Probleme, in ihrer Muttersprache zu lesen und zu schreiben sind in ihrer Muttersprache nicht oder nicht vollständig alphabetisiert
haben eine Fremdsprache (idealerweise mit dem lateinischen Alphabet, z.B. Englisch oder Französisch) gelernt Haben noch keine Fremdsprache gelernt
verfügen über grammatisches und metasprachliches Wissen (z.B. was ein Verb ist) Verfügen nicht über metasprachliches Wissen
Kennen Lerntechniken und wissen, was für ein Lerntyp sie sind Kennen keine Lerntechniken
sind Unterrichtssituationen und können über mehrere Stunden hinweg zuhören und sich konzentrieren Haben evtl. Probleme damit, sich über einen längeren Zeitraum hinweg zu konzentrieren und zuzuhören
kennen verschiedene Aufgabenarten und Bearbeitungsmodi Haben Probleme, Aufgabenstellungen und Übungsformen zu verstehen; haben Probleme, zwischen Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit zu unterscheiden
Können sicher mit Hilfsmitteln (z.B. versch. Stifte; Wörterbuch) umgehen Haben evtl. Probleme, über einen längeren Zeitraum mit der Hand zu schreiben; unsicher im Umgang mit Hilfsmitteln

Aus diesen Unterschieden ergeben sich einige Punkte, die im Unterricht beachtet werden sollten:

Zunächst einmal ist es sinnvoll, lerngewohnte und lernungewohnte TeilnehmerInnen in eigene Gruppen einzuteilen. Der Grund hierfür ist, dass es sehr schwierig ist, allen TeilnehmerInnen gerecht zu werden, wenn sie unterschiedlich schnell Fortschritte machen. Die einen langweilen sich, wenn etwas immer wieder wiederholt wird; die anderen sind überfordert, wenn die nächste Lektion begonnen wird. [Wer noch nicht alphabetisiert ist, braucht natürlich einen Alphabetisierungskurs!]

Ich gehe also jetzt davon aus, dass die Lernwilligen in unterschiedliche Gruppen eingeteilt wurden.  Die folgenden Tipps beziehen sich auf den Unterricht in einer Gruppe mit Lernungewohnten: Weiterlesen